Ein Stück vom Paradies.

Wie oft habe ich die großen Blüten vom Gärtner nach Hause getragen, damit das Sonnengelb in der Vase das Zuhause schmückt. Was eigentlich ist es, das mich so zu den Sonnenblumen hinzieht? Selbst in der Kunst ist diese Blüte ein häufig gebrauchtes Symbol, und wenn kleine Kinder eine Sonne malen – sieht sie dann mit ihren Strahlen nicht aus wie eine Sonnenblume? Es ist schon etwas Besonderes um diese Blume: Der Winkel zwischen ihren benachbarten Samen ist der Goldene Winkel, sagt der Botaniker; der Mathematiker kann in der Anordnung der Spiralen im Blütenstand die Fibonacci-Zahlen erkennen und sich an Einsteins Satz, dass Gott nicht würfle, erinnert fühlen. Ein kleines Wunder der Schöpfung ist die Sonnenblume, deren Köpfe sich in Richtung Sonnenaufgang orientieren.

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Die Hummel, die die Sonnenblume, im Bild vom letzten Jahr, besuchte, weiß von all den Forschungsergebnissen um die leuchtend gelbe Blüte, die sie ernährt, nichts. Für sie mag die Blüte einfach nur das Land sein, in dem Nektar und duftender Balsam fließen – ein Stück Paradies. Und vielleicht geht es mir beim Anblick einer voll erblühten Sonnenblume ähnlich? Sehe nicht auch ich in dem leuchtenden Strahlenkranz und in einem riesigen Sonnenblumenfeld, vor dem ich stehe, ein Stückchen vom Paradies, von der Schöpfung in all ihrer Fülle? Matthäus überliefert das Jesus-Wort, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebe. Für die Hummel ist die Sonnenblume Nahrung im Überfluss, und auch für uns Menschen ist die ölhaltige Pflanze ein wichtiger Energielieferant. Ich lebe aber auch von der Freude beim Anblick des Bildes – und die vor allem macht mich glücklich und staunend mit den sonnengelben Strahlen.

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Wärme im Herzen

Feuer und Eis: Dienstag der 4. Dezember, kalt ist´s Drausen, Nebel, eine Kerze brennt und der Heizkörper am Fenster wärmt die Stube. Die Kerzenflamme wirft einen warmen Schein auf´s Fenster, an dem sich von außen fragile, zarte  Eiskristalle gebildet haben.

Eiskristalle

Warum gelingt es uns, die Kälte durch Isolierscheiben auszusperren, wenn es draußen kalt wird, nicht aber die Kälte in uns Menschen, wenn sie nach uns greift? Warum lasse ich es zu, dass Verletztheiten Eis schafft zwischen Menschen und in mir selbst? Viele Redewendungen zeigen, dass es Dinge gibt, bei denen es mir warm ums Herz wird, und andere Dinge, bei denen es mir kalt den Rücken herunter läuft.

Im Advent wartet man auf die Ankunft Gottes. Der Gedanke an das Kind in der Krippe weckt bei vielen warme Gedanken und Erinnerungen an früher, so auch bei mir. Diese können mich, so haben Forscher vor Kurzem herausgefunden, tatsächlich dazu bringen, Wärme zu empfinden. Gedanken an schöne Momente erwärmen innerlich. Auch wenn mir die Welt draußen immer kälter und kaltherziger erscheint.

Letztlich vermag die Kälte der Welt nichts gegen die Wärme in meinem Herzen, dank liebevoller Zuwendung von  meinen  Kindern, ausrichten. Nicht nur wenn die Eiskristalle draußen wachsen, ist es oftmals  in einsamen Stunden wert: eine Kerze anzuzünden und an liebe Menschen oder etwas Schönes aus der Vergangenheit zu denken. Damit ich nicht vergesse, wie angenehm es sich anfühlt, wenn es mir warm um Herz wird.

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Wider einmal fliegen

Wider einmal fliegen, diese Vorstellung kommt in mir hoch als ein Ferienflieger im  Landeanflug zum Flughafen Stuttgart  übers Haus  donnert. Nur noch der blauen Himmel über dem eigenen Ich, dem Himmel ein Stückchen näher. Die Hoffnung, dass alle  Ängste, alle Sorgen unten bleiben, wenigstens für eine Weile. Reinad May klingt im Ohr. Wird ein Blick aus dem Flugzeugfenster auf die Erde da unten, ein Gefühl von  Freiheit bringen, so  hoch über allem.

13_10_04_fliegenIkarus schiebt sich vors innere Auge, dessen Übermut die errungene  Freiheit ihn zu hoch fliegen ließ. Der Schneider von Ulm gesellt sich in Gedanken zu Ikarus. Die Gebrüder Wright, Graf  Zepelin und all jene die Luftsprünge machten – mit gutem oder mit schlimmen Ausgang. Was ist das, was in  Menschen diese große Sehnsucht nach dem Fliegen schafft?

Über allem zu sein? Wenn das Flugzeug landet, wenn sich die Erde wieder nährt,  bleibt das tolle Erlebnis. Den Alltag, die persönlichen  Fehler und  Ängste, die politischen Krisen  und Konflikte nimmt der Flug oben im Blau aber nicht weg. Und damit sind wir ganz irdisch wieder mitten im Auftrag des Schöpfers, die  Erde zu einem friedlicheren Ort zu machen. Angesichts des Unrechts, da täglich geschieht, sind wir Menschen wohl ziemlich weit weg davon, diesen Auftrag zu erfüllen. Aber ein Stückchen Paradies könnte jeden Tag sein, nicht nur beim Ausflug ins himmlische Blau, sondern  ganz real dann, wenn einer  darauf verzichtet, den anderen schlecht zu machen, wenn einer dem anderen  eine neue Chance gibt, wenn einer sich mit dem anderen freut.

In der Bildergalerie stehen Bilder von der Landes Gartenschau 2013 in Sigmaringen.

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Buch des Lebens

Manche haben es in Leder gebunden, andere in einem Schatzkästlein. Ich führe es von Zeit zu Zeit. Auch manchen Familien hilft es bei den Erinnerungen an große und kleine Feste, an Begegnungen, an gemeinsame Erlebnisse: Das Tagebuch.

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Tagebücher als Literatur veröffentlich laden zum Blättern ein. Manche Einträge sind kurz, nur eine Bemerkung, eine Episode, Worte zu einem Ort, für mich der das liest wissen sollte. Andere gehen über mehrere Seiten und erzählen eine ganze Geschichte, die mich an den Gedanken des Autors teilhaben lassen.

Aufgeschlagen liegt es vor mir. Erlebnisse der vergangenen Tage trage ich ein. Den Fernsehabend, mit dem Film die Päpstin. Den ich schon einmal gesehen habe. Erinnerungen an den gelesenen Roman die Päpstin von Donna W. Cross werden wach. Gedanken zu Gott und die Welt.

Ein Tagebuch ist immer auch ein Buch des Lebens. Es erzählt von Menschen, von Begegnungen, von Erlebnissen und Gedanken. Es bleibt auch dann bestehen, wenn ich die Menschen und Ereignisse schon lange aus dem Auge verloren habe. Es ist ein Stück handfester Erinnerung.

Die Bibel ist so ein Tagebuch des Lebens, in dem die Namen aller derer geschrieben stehen die Gott nahe stehen. Gott erinnert sich an sie, keinen vergisst er. Gerade an so einem Tag an dem ich endlich  nach dem langen Winter die Frühjahrsbepflanzung an Gräbern ausführe, wo die Erinnerungen an die geliebten Verstorbenen wach werden, da tut ein Blick in ein Tagebuch, in ein Fotoalbum oder das lesen alter Briefe gut. Die Erinnerungen werden wieder lebendig an die gemeinsame Zeit, an das gemeinsam Erlebte, an Durchlittenes. Manche Anekdote, die dem Gedächtnis schon entfallen schien, taucht wieder auf. Melancholie kommt auf, dass das alles in meinem Leben auf dieser Welt unwiederbringlich verloren gegangen ist. Aber es wächst auch die Hoffnung, dass die von mir geliebten Menschen nicht nur in meinem Tagebuch und Herzen in Bildern stehen, sondern auch im göttlichen Buch des Lebens.

Das Licht der Leselampe trifft auf die aufgeschlagenen Seiten des Tagebuches, die Umgebung bleibt im Dunkel. Es ist wie ein Hoffnungsschimmer der das Buch des Lebens erhellt und von ihm zurückgeworfen wird in die Welt.

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Frühlingstraum

Endlich ist es vorbei mit den graunen Tagen der letzten Woche, endlich mal Sonne in den letzen 2 Tagen. Das lädt zu einem Spatziergang ein, also nichts wie raus in die Natur. Herrlich wie die Sonne mich wärmt beim Gang durch die Gärten am Uhlberg.
Wer einen Garten hat, der würde gerne, die ersten Frühlingsarbeiten, ausführen. Doch bei diesem langen Winter, mit immer neuen Schnee, da geht er nachdenklich durch die schmalen Wegchen zwischen den leeren Beeten. Endlich ist der letzte Schnee gegangen, an den Rändern die letzten Schneehäufen und alles andere als frühlingshaft, trostlos braun, brachliegen sie da.

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Auf den Wiesen, an den Bachrändern und am Saum der warmen steilen Weinberggärten, treib mancherlei grünes Leben. Es stehen die ersten gelben Mattenblumen mit schüchtern – frohem Lebensmut im grünen Gras. Und schaut mit offenen Kinderaugen in die Stille, erwartungsvolle Welt.

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Im Garten die Schneeglöckchen lassen so manche Vorfreude auf den erwachenden Frühling aufkommen.

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Ich Spaziergänger und Rentnernaturfreund habe es jetzt wieder gut; ich kann umhergehen und dem Wunder der Wiederbelebung vergnügt zuschauen. Ich sehe das Wiesengrün mit frohen farbigen Erstlingsblumen bestückt, Bäume mit harzigen Knospen besetzt. Ich schneide mir Zweige mit silbrigen Palmkätzchen, Seidelbast ab, um sie daheim ins Zimmer zu stellen und betrachte all die Herrlichkeit mit einem behaglichen Erstaunen drüber wie leicht und selbstverständlich das zugeht, dass alles zur rechten Zeit kommt und treibt und zu blühen beginnt. Ich habe wohl Gedanken, aber keine Sorgen dabei, da ich nur das Gegenwärtige sehe und weder Nachtfröste, Raupen, noch Mäuse oder anderes Getier zu fürchten brauche.

 Die Gartenbesitzer haben es in diesen Tagen nicht so beschaulich. Sie gehen umher und merken, dass manches versäumt ist, was noch vor dem langen Winter hätte geschehen können. Sie besinnen sich, was wohl dieses Jahr werden wird. Sie betrachten mit Sorgen die wintergeschädigten Bäume, unter Wasser stehenden Beete. Aber über einen solch schneereichen Winter ist kein Kraut gewachsen. Auch so mancher übereifrige Gartenbesitzers hat schon angefangen blühende Frühlingspflanzen auszubringen.

 Auch ich träume, ohne Garten, von Schöpferlust und Schöpferübermut beim Gartenbau. Ich könnte ein Stückchen Erde nach meinem Kopf und Willen gestalten, ich könnte mir den Sommer mit Lieblingsfrüchten, Lieblingsfarben und Lieblingsdüfte schaffen. Ich könnte ein kleines Beet, ein paar Quadratmeter nackten Boden zu einem Gewoge von Farben, zu einem Augentrost und Paradiesgärtlein machen. Allein es hat doch seine Grenzen. Schließlich muss ich mich mit allen Gelüsten und allen Fantasien einsehen, nur was der Natur genehm ist, das lässt sie gelingen und sorgt dafür. Und die Natur ist unerbittlich. Sie lässt sich etwas abschmeicheln, sie lasst sich scheinbar überlisten, aber nachher fordert sie  desto strenger ihr Recht.

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Engel und die Weihnachtsgeschichte

Woran erkennt man Engel?

In der Weihnachtszeit scheint die Antwort auf der Hand zu liegen. An dem lockigen Gesicht, an den festlichen prunkvollen Kleidern und vor allem an den Flügeln. So sah ich sie allenthalben auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt und in Einkaufzentren, Zeitschriften, im Gefolge vom Weihnachtsmann, in Kirchen zur Weihnachtszeit besonders geschmückt. Bei solchen Anblicken neige ich Engel als Märchenfiguren anzusehen, aus längst vergangener Zeit. Aber ich glaube, Engel sehen ganz anders aus. Wie Menschen die mir begegnen, wie du und ich.

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 Wenn „ Im Buch der Bücher „ erzählt wird wie Menschen einem Engel begegnen, geht es nicht darum, wie sie aussehen, sondern  wichtig ist was sie zu sagen haben. Engel sind schließlich Boten, das sagt schon das Wort Angelos, ist griechisch und heißt Bote.

Auch wenn die Weihnachtsgeschichte in der Adventszeit 2012 erzählt wird ist auch von Engeln die Rede: Wie Maria, die junge Frau, die nicht mehr weiter weis, die ein Kind bekommen wird. Da begegnet sie jemanden der zu ihr sagt: “Gott braucht dich. Dich und dein Kind. Die Geburt wird die Welt verändern. Die Kraft Gottes wird in ihm sein und mit dir. Sie sagte ja, ja zu Gott und dem Kind das sie unter dem Herzen trug, So kann sich die Welt verändern. Später haben es Menschen weiter erzählt und in der Bibel aufgeschrieben: Das war ein Engel der das möglich gemacht hat. Ein Bote von Gott. Solche Engel sind nicht nur für Frauen und Kinder. Auch für Josef, Marias Verlobter, hat es einen Engel in Form eines Traumes gebraucht, damit er sich in der schwierigen Situation zurecht findet. Eigentlich will er davon laufen. Der Traum lässt in nicht kopflos und ratlos weglaufen. Er hilft ihm, zu verstehen was los ist und zeigt ihm wie es weitergehen kann, was seine Aufgabe sein kann, was zu tun ist. Er zog mit Maria wie verheißen nach Bethlehem, wo Maria im Stall das Christuskind gebar.

Ich glaube: wer einem anderen die Angst, Trauer um einen Mitmenschen, Ausweglosigkeit nehmen kann und durch ein hilfsreiches Gespräch und Vertrauen einen Weg durchs weitere Leben aufzeigt wie ich dieses Jahr erfahren durfte – der ist ein Engel. Von Gott geschickt. Und es ist nicht so wichtig, ob man das gleich erkennt.

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Die Engel in der Weihnachtszeit, Schutzengel auf Karten, Engel in Kirchen die mit Flügeln ausgestattet sind, wurden von Künstlern so gestaltet damit man sie eindeutig erkennt. Engel aber können mir überall begegnen, auch im Traum, ich muss sie nur erkennen.

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Der Bach

Da sitze ich zurück im Tal erschöpft von der Bergwanderung. Vor mir der Bergbach den ich betrachte, die Gedanken nehmen ihren Lauf. In der Kürze bringt er das Geheimnis meiner Kraft. Der Bach – der fließt, fließt, fließt.

Im weit verzweigten Wasserkreislauf dieser Erde bin ich der Bach, eine kleine Ader nur. Unscheinbar, einer unter vielen Milliarden. Und doch, das gilt für große und kleine. Es fließt keiner von uns für sich allein.

Verbunden sind wir alle miteinander, gleichwie der Ast des Baumes. Ja, winzig war ich, als ich geboren wurde, der Quelle, jenem Felsspalt oben am Berg entsprang. Da hörte ich Die Stimme des Rufers: „Ist deine Kraft auch noch so klein, fließ doch weiter. Wachsen kannst nur, in dem du fließt“. Nun gilt es meinen Weg zu suchen, im Kampf mit Steinen, Erde, Wurzel, Sand. Es fiel mir schwer, mich in Geduld zu üben, der Bohrkraft meines weichen Elements zu trauen.

Dann spürte ich den Sog. Es geht bergab, mich überschlagend. Schwer ist es zu beschreiben, das bodenlose Schweben im jähen Sturz hinunter durch den Wasserfall. Ich hätte beinahe den Verstand verloren, vor lauter Angst mich in unzählige Tropfen zu verlieren. Doch immer wieder strahlt ein kleiner Regenbogen und schreibt mit breitem Pinsel in den Himmel: Es geht kein Tropfen verloren.

Von allen Seiten fließen sie nun auf mich zu, die Bäche aus den Tälern von den Hängen; mir fiel es schwer, sie aufzunehmen: besonders die braungelb gefärbten, die mich mit mitgeschwemmter Erde trübten. Erst spät erkannte ich, wie reich sie mich beschenkten, wie dankbar Wiese, Felder sind, wenn ich die mitgebrachte Erde auf sie verteilte. Die fremden Bäche haben mich geweitet. Ich lernte „wir zu sagen statt nur ich“.

Von Kindern wäre zu erzählen. Von Mühlrad, Brücken, Stein und Holz, von Iris, Nelkenwurz, Knabenkraut. Doch spüren ich: Wer fließt mündet. Nur noch ganz kurz vom Augenblick der Mündung:„Komm“ flüstert es mir zu „fließ mit in das große Meer“.

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Weihnachtsengel

Mit dem Tannenbäumchen begann es. Eines Tages, noch ehe die Geschäfte in meiner Straße ihre Türen öffneten, standen da verschlossen Buden wie Siegel, die die ganze Straße wie große Weihnachtspakete an hundert Ecken und Kanten zu sichern schienen.  Am Samstag vor dem dritten Advent barsten sie und Spielzeug, Früchte, Naschereien und Baumschmuck quollen aus ihrem Innern: Weihnachtsmarkt

 Mit ihnen quoll noch etwas anderes hervor. Die Armut. Da stehen Jugendliche und verkaufen Orangen, für arme, vom Hungergeplagte Kinder in Afrika, Landfrauen verkaufen selbst gestrickte Socken für Bedürftige in der Gemeinde. So mancher von uns satten „Reichen“, der vorbei kommt, kauft Orangen oder gibt ein Almosen für die Armen und Bedürftigen in unserer Welt, aber die meisten gehen vorbei. Ach, wäre doch jeder einmal ein Engel für Bedürftige!

Inzwischen stand der Weihnachtsbaum bereits auf dem Balkon, den ich auf dem Markt besorgte um ihn ins Zimmer zu bringen, zu rechten Zeit. Und wunderbar als alles, was das Kerzenlicht im gab, war, wie das nahe Fest in seine Zweige mit jedem Tage dichter sich verspann. Im Hof gegenüber begann ein Leierkastenmann die letzte Frist mit Chorälen zu dehnen. Endlich war sie doch verstrichen und einer jener Tage wieder da, an deren frühestens ich mich hier erinnere. In meinem Zimmer warte ich, bis es sechs werden wollte. Kein Fest des späteren Lebens kennt diese Stunde, die wie ein Pfeil des Tages zittert. Es war schon dunkel, trotzdem schaltete ich die Lampe nicht ein, um den Blick von den dunklen Fenstern im Nachbarshof zu wenden, hinter denen nun die ersten Kerzen zu sehen waren. Es war von allen Augenblicken, die das Dasein des Weihnachtsbaum hat, der herrlichste, in dem er Nadeln und Geäst dem Dunkel opfert um nichts zu sein als ein unnahbares und doch nahes Sternbild im trüben Fenster eines Nachbarhaus über dem Hof. Doch wie ein solches Sternbild hin und wieder eins der verlassenen Fenster begnadete, in dessen viele andere dunkel blieben und andere, noch trauriger, im Licht der Straßenlaterne des frühen abends verkümmern, schien mir, dass diese weihnachtlichen Fenster die Einsamkeit, das Alter und das Darben  – all das, von dem ich oft mal schweige – in sich fasst. Nun fiel mir die Bescherung bei meiner Tochter ein, es war Zeit sich auf den Weg zu machen. Kaum aber hatte ich so schweren Herzens wie nur die Nähe  eines sicheren Glücks es macht, mich vom Fenster abgewandt, die Tür geöffnet, so spürte ich eine fremde Gegenwart im Raum. Es war nichts als ein Wind, so dass sich die Worte, die sich auf meinen Lippen bildeten, wie Falten waren, die ein träges Segel plötzlich vor einer frischen Brise wirft.

 Alle Jahre wieder
kommt das Christuskind
auf die Erde nieder
wo wir Menschen sind

–  mit diesen Worten hatte sich der Engel, der in ihnen begonnen hatte, sich zu bilden, auch verflüchtigt.

 

Ich fuhr zur Tochter, bei  der nun ein Baum die Glorie eingegangen war, welcher in mir Gefühle der Dankbarkeit für frühere Weihnachten bescherte.

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In der Weihnachtsbäckerei.

Nur noch 4 Wochen bis Weihnachten, am Adventskranz brennt das erste Licht. Während das Weihnachtsfest für mich viel zu schnell naht, konnte ich es in den Kindertagen damals kaum erwarten.

Da war es prima zum Verkürzen der Wartezeit, mit Mutter gemeinsames Backen. Plätzchen ausstechen und verzieren war ein Riesenspaß, das Weihnachtsbacken konnte allerdings auch zur Geduldsprobe werden. Denn bis alle Zutaten für den Teig verarbeitet sind und ich endlich das Nudelholz rollen durfte, verlor ich schon mal die Lust.

Das erkannte die Mutter schnell und so machte sie statt aufwendige Werke mit mir und meiner Schwester deshalb nur einfache Ausstecherle oder Spritzgebäck. Den Teig für die Ausstecherle bereitete sie meist am Abend vor dem Backtag zu, wenn wir im Bett waren, und stellte in kalt, der so gekühlte Teig lies sich leicht verarbeiten. Das Verwenden von verschiedenen Ausstechformen erhöhte den Spaß. Das Verzieren ging flott von der Hand, Mutter hatte den Zuckerguss vorbereitet, sowie bunte Streusel, Rosinen und Nüsse in kleinen Schüsseln bereitgestellt. Den Ofen durften wir nicht bedienen.

Anders bei Großmutter, sie hatte endlose Geduld, oft schaute ich ihr bei dem backen von Springerle zu. Die Motive der Model begeisterten mich. Springerle benötigen vor allem eines: Ruhe, Ruhe, Ruhe. Es braucht der Teig viel Zeit, später die ausgemodelten Springerle.

Es fängt bei den Eiern an. Auf keinen Fall frische nehmen. Die Eier werden in der Küchenmaschine schaumig gerührt, dann wird der fein gesiebte Puderzucker esslöffelweise daruntergerührt (20 Minuten). Damit die Springerle schön in die Höhe gehen, braucht es Hirschhornsalz, das vorher in Kirschwasser aufgelöst und fünf Minuten mit der Zucker-Eiermasse vermischt wird. Nun zum Mehl: Am Besten ist das hellste Mehl, das es gibt (also Type 405). Ob man Weizen- oder Dinkelmehl verwendet ist gleich. Das mit der Mehlmenge ist eine Sache für sich: Man soll sich nicht stur an die Mengenangabe halten, sondern soviel Mehl nehmen, wie in die Eiermasse reingeht. 

Der Teig muss noch weich sein und braucht jetzt seine erste Ruhephase (mindestens zwei Stunden im Kühlschrank, gerne auch länger). Damit er keine unschöne Haut bekommt, muss er mit Frischhaltefolie abgedeckt und in eine mit Deckel verschließbare Schüssel gelegt werden. Nach der Ruhezeit wird der Teig weiterverarbeitet. Vom großen Klumpen Teig kleine Portionen abbrechen (den Teig dann sofort wieder abdecken, damit er nicht austrocknet). Zwischen 5 und 10 Millimeter wird der Teig auf dem mit Mehl bestäubten Backbrett ausgewellt. Auch von oben muss der Teig gut eingepudert sein. Dann die Model in den Teig eindrücken. Mit dem Messer oder Wellenschneider Ränder schneiden. Wenn die Springerle ausgemodelt sind, ruhen sie wieder. Diesmal 24 bis 48 Stunden auf einem bemehlten Holzbrett. Bevor das Bildgebäck aufs Backblech gesetzt wird (das mit Anis, Lavendelblüten oder Vanillezucker bestreut wird), werden sie kurz auf ein befeuchtetes Küchentuch gesetzt.

 Nun werden die Springerle gebacken (20 Minuten bei 140 Grad Umluft oder 10 Minuten bei 150 Grad Ober- und Unterhitze und 10 Minuten bei 125 Grad). Zum Schluss kommt die Frage, wie denn die Springerle dann bis Weihnachten so weich werden, dass man sich nicht die Zähne daran ausbeißt. Die Antwort ist einfach: Die Springerle in einem Pappkarton auf den Balkon stellen und natürlich vor Regen schützen. Dort hat es im Winter ausreichend Feuchtigkeit. Nach einer Woche sind sie garantiert weich.

 Großmutters Kunstwerke begeistern immer noch, mir gelingen sie bis heute nicht so trotz vieler Versuche.

(Zutaten für Springerle: 4 Eier mittlerer Größe (aufgeschlagen etwa 190 – 200 Gramm Eimasse) 500 Gramm Puderzucker 500 Gramm Mehl Type 405 1 Messerspitze Hirschhornsalz 1 Esslöffel Kirschwasser Stärkemehl zum Einpudern)

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Herbstzeitstimmung

Für eine Stunde bin ich dem Haus entronnen, das seit dem späten Frühjahr zur Renovierung mit Gerüst und Netz verkleidet ist. Weg nix wie weg von der Baustelle!

O wie schnell ist das wieder gegangen mit dem Herbst werden! Dies Jahr ist es ja ein Spätsommer ohnegleichen, er schient nicht enden zu können, Tag um Tag wartet man auf scheinbar sichere Anzeichen, auf Wind, auf Nebel, aber Tag um Tag steigt klar, golden und warm hinter dem Nachbarhaus herauf, nur geht die Sonne Tag für Tag eine Idee später auf und kommt nicht an derselben Stelle angestiegen. Und nun ist nach einem kurzen Wetterwechsel der gerade mal 2 Tage mit Nachtfrost dauerte, doch der Herbst der hereingeschlichen, und nun kann es am Mittag noch so warm und am Abend noch so golden strahlend werden, es ist längst kein Sommer mehr, es ist Sterben und Abschied in der Luft.
Abschied nehmend – für kurze Zeit vom Renovierungsstress – schlenderte ich durch den Wald.

Von weitem sieht dieser Wald noch ziemlich grün aus, in der Nähe sieht man, dass auch er alt geworden ist und nah am Sterben ist, das Laub der der Buchen knistert trocken und wird immer gelber, das fein spielende Laub der Akazien blickt an manchen feuchten kühlen Waldstellen und Schluchten noch tief und bläulich, aber überall durchstreift und durchglänzt von welken Zweigen, an denen die goldenen Blättchen einzeln schimmern und bei jedem Hauch herabtropfen beginnen.

Hier am Graben am Wegesrand, wo das welke Laub schon häuft, obwohl die Wipfel noch voll scheinen, hier habe ich im Vergangenen Frühling, in der Zeit vor Ostern an einem eben so sonnigen Tag, die ersten gelben Schlüsselblumen gefunden, und große Flächen von Waldanemonen, wie es roch damals feucht und krautig hier, wie gärte es im Holz, wie tropfte es in den Moosen! Und Jetzt alles trocken, tot und starr, das welke holzige Gras und welken Brombeerhecken, alles klirrt, wenn der Wind anhebt, dünn und spröde aneinander.

Überall blühen noch die kleinen roten Steinnelken, feurig nicken sie aus dem welken Gras, heiter dem braunen Laub, sie singen das Lied vom Untergang nicht mit, sie lachen und brennen und lassen ihre kleine rote Flagge wehen, erst von langen Frostnächten lassen sie sich umbringen. Eine von euch, kleine brennenden Nelken nehme ich mit, dort hinüber in die andere Welt, in die Stadt, hinter Gerüst und Netz, in den Winter, in die Zivilisation. 

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