In der Weihnachtsbäckerei.

Nur noch 4 Wochen bis Weihnachten, am Adventskranz brennt das erste Licht. Während das Weihnachtsfest für mich viel zu schnell naht, konnte ich es in den Kindertagen damals kaum erwarten.

Da war es prima zum Verkürzen der Wartezeit, mit Mutter gemeinsames Backen. Plätzchen ausstechen und verzieren war ein Riesenspaß, das Weihnachtsbacken konnte allerdings auch zur Geduldsprobe werden. Denn bis alle Zutaten für den Teig verarbeitet sind und ich endlich das Nudelholz rollen durfte, verlor ich schon mal die Lust.

Das erkannte die Mutter schnell und so machte sie statt aufwendige Werke mit mir und meiner Schwester deshalb nur einfache Ausstecherle oder Spritzgebäck. Den Teig für die Ausstecherle bereitete sie meist am Abend vor dem Backtag zu, wenn wir im Bett waren, und stellte in kalt, der so gekühlte Teig lies sich leicht verarbeiten. Das Verwenden von verschiedenen Ausstechformen erhöhte den Spaß. Das Verzieren ging flott von der Hand, Mutter hatte den Zuckerguss vorbereitet, sowie bunte Streusel, Rosinen und Nüsse in kleinen Schüsseln bereitgestellt. Den Ofen durften wir nicht bedienen.

Anders bei Großmutter, sie hatte endlose Geduld, oft schaute ich ihr bei dem backen von Springerle zu. Die Motive der Model begeisterten mich. Springerle benötigen vor allem eines: Ruhe, Ruhe, Ruhe. Es braucht der Teig viel Zeit, später die ausgemodelten Springerle.

Es fängt bei den Eiern an. Auf keinen Fall frische nehmen. Die Eier werden in der Küchenmaschine schaumig gerührt, dann wird der fein gesiebte Puderzucker esslöffelweise daruntergerührt (20 Minuten). Damit die Springerle schön in die Höhe gehen, braucht es Hirschhornsalz, das vorher in Kirschwasser aufgelöst und fünf Minuten mit der Zucker-Eiermasse vermischt wird. Nun zum Mehl: Am Besten ist das hellste Mehl, das es gibt (also Type 405). Ob man Weizen- oder Dinkelmehl verwendet ist gleich. Das mit der Mehlmenge ist eine Sache für sich: Man soll sich nicht stur an die Mengenangabe halten, sondern soviel Mehl nehmen, wie in die Eiermasse reingeht. 

Der Teig muss noch weich sein und braucht jetzt seine erste Ruhephase (mindestens zwei Stunden im Kühlschrank, gerne auch länger). Damit er keine unschöne Haut bekommt, muss er mit Frischhaltefolie abgedeckt und in eine mit Deckel verschließbare Schüssel gelegt werden. Nach der Ruhezeit wird der Teig weiterverarbeitet. Vom großen Klumpen Teig kleine Portionen abbrechen (den Teig dann sofort wieder abdecken, damit er nicht austrocknet). Zwischen 5 und 10 Millimeter wird der Teig auf dem mit Mehl bestäubten Backbrett ausgewellt. Auch von oben muss der Teig gut eingepudert sein. Dann die Model in den Teig eindrücken. Mit dem Messer oder Wellenschneider Ränder schneiden. Wenn die Springerle ausgemodelt sind, ruhen sie wieder. Diesmal 24 bis 48 Stunden auf einem bemehlten Holzbrett. Bevor das Bildgebäck aufs Backblech gesetzt wird (das mit Anis, Lavendelblüten oder Vanillezucker bestreut wird), werden sie kurz auf ein befeuchtetes Küchentuch gesetzt.

 Nun werden die Springerle gebacken (20 Minuten bei 140 Grad Umluft oder 10 Minuten bei 150 Grad Ober- und Unterhitze und 10 Minuten bei 125 Grad). Zum Schluss kommt die Frage, wie denn die Springerle dann bis Weihnachten so weich werden, dass man sich nicht die Zähne daran ausbeißt. Die Antwort ist einfach: Die Springerle in einem Pappkarton auf den Balkon stellen und natürlich vor Regen schützen. Dort hat es im Winter ausreichend Feuchtigkeit. Nach einer Woche sind sie garantiert weich.

 Großmutters Kunstwerke begeistern immer noch, mir gelingen sie bis heute nicht so trotz vieler Versuche.

(Zutaten für Springerle: 4 Eier mittlerer Größe (aufgeschlagen etwa 190 – 200 Gramm Eimasse) 500 Gramm Puderzucker 500 Gramm Mehl Type 405 1 Messerspitze Hirschhornsalz 1 Esslöffel Kirschwasser Stärkemehl zum Einpudern)

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Herbstzeitstimmung

Für eine Stunde bin ich dem Haus entronnen, das seit dem späten Frühjahr zur Renovierung mit Gerüst und Netz verkleidet ist. Weg nix wie weg von der Baustelle!

O wie schnell ist das wieder gegangen mit dem Herbst werden! Dies Jahr ist es ja ein Spätsommer ohnegleichen, er schient nicht enden zu können, Tag um Tag wartet man auf scheinbar sichere Anzeichen, auf Wind, auf Nebel, aber Tag um Tag steigt klar, golden und warm hinter dem Nachbarhaus herauf, nur geht die Sonne Tag für Tag eine Idee später auf und kommt nicht an derselben Stelle angestiegen. Und nun ist nach einem kurzen Wetterwechsel der gerade mal 2 Tage mit Nachtfrost dauerte, doch der Herbst der hereingeschlichen, und nun kann es am Mittag noch so warm und am Abend noch so golden strahlend werden, es ist längst kein Sommer mehr, es ist Sterben und Abschied in der Luft.
Abschied nehmend – für kurze Zeit vom Renovierungsstress – schlenderte ich durch den Wald.

Von weitem sieht dieser Wald noch ziemlich grün aus, in der Nähe sieht man, dass auch er alt geworden ist und nah am Sterben ist, das Laub der der Buchen knistert trocken und wird immer gelber, das fein spielende Laub der Akazien blickt an manchen feuchten kühlen Waldstellen und Schluchten noch tief und bläulich, aber überall durchstreift und durchglänzt von welken Zweigen, an denen die goldenen Blättchen einzeln schimmern und bei jedem Hauch herabtropfen beginnen.

Hier am Graben am Wegesrand, wo das welke Laub schon häuft, obwohl die Wipfel noch voll scheinen, hier habe ich im Vergangenen Frühling, in der Zeit vor Ostern an einem eben so sonnigen Tag, die ersten gelben Schlüsselblumen gefunden, und große Flächen von Waldanemonen, wie es roch damals feucht und krautig hier, wie gärte es im Holz, wie tropfte es in den Moosen! Und Jetzt alles trocken, tot und starr, das welke holzige Gras und welken Brombeerhecken, alles klirrt, wenn der Wind anhebt, dünn und spröde aneinander.

Überall blühen noch die kleinen roten Steinnelken, feurig nicken sie aus dem welken Gras, heiter dem braunen Laub, sie singen das Lied vom Untergang nicht mit, sie lachen und brennen und lassen ihre kleine rote Flagge wehen, erst von langen Frostnächten lassen sie sich umbringen. Eine von euch, kleine brennenden Nelken nehme ich mit, dort hinüber in die andere Welt, in die Stadt, hinter Gerüst und Netz, in den Winter, in die Zivilisation. 

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Navigieren und orientieren.

Da bin ich unterwegs zu einem neuen Ziel, meine „Lucia das Navi mit bestimmender Stimme“ weist mir den Weg durch den Engelbergtunnel. Sehr lange dem Straßenverlauf folgen tönt es.

Praktisch ist es ja schon, so ein„Navi“. Das Gerät, das einem den Weg zeigt, kann eine große Hilfe sein. Vor allem wenn man nicht ortskundig ist, es eilig hat und in einer fremden Stadt schnell eine bestimmte Adresse finden will. Das ist für ein heutiges Navigationsgerät kein Problem mehr. Zuverlässig dirigiert es mich an mein Ziel. Am Ort angelangt ertönt die Stimme: „Sie haben ihr Ziel erreicht“.

Auch im Tunnel, wo mich ein beklemmendes Gefühl beschleicht, zeigt der gute elektronische Beifahrer, wo es lang geht. Zum Beispiel sehe ich dass die dunkle Röhre bald ein Ende hat. Zusätzlich warnt es noch, dass gleich nach dem Ende des Tunnels eine Gefahrenstelle mit Geschwindigkeitsbegrenzung besondere Aufmerksamkeit erfordert.

Zweifellos handelt es sich bei Navigationsgeräten um eine nützliche Erfindung, um ein System, das einem im Stress des ständig wachsenden Verkehrsströme wichtige Aufgaben abnimmt. Der redende Assistent wartet in seiner fortgeschrittenen Version inzwischen sogar mit zusätzlichem Service auf, zum Beispiel mit Tipps für Hotels am Zielort.

Gut navigiert – gut orientiert, so möchte ich sagen. Doch das stimmt nicht ganz. Ich komme gut an, gewiss. Aber ob ich  tatsächlich orientiert bin, sprich, ob ich genau weiß, wo und warum ich mich räumlich gerade an diesem bestimmten Ort befinde, ist nicht gesagt. Diese Erfahrungen können einem kein Computer und kein „Navi“ abnehmen. „Sich orientierten können ist eine Kulturtechnik“, hat der amerikanische Journalist Ed Ayres einmal geschrieben. Orientieren ist eben mehr als ohne Umwege am Ziel ankommen.

Es ist ein bisschen wie mit den Geboten. Wenn ich sie auswendig lerne und mich treu daran halte, dann gelange ich natürlich auch ans Ziel: Ich tue den  Willen des Schöpfers, ich richte mich nach seinen Weisungen, und das tut mir gut. Doch eigentlich geht es um mehr. Es ist besser, wenn ich verstehe, warum die Gebote gerade so sind, wie sie nun mal von den Glaubensgemeinschaften in ihren Büchern übermittelt werden. Warum sie nicht nur Verbote sind, sondern auch große Chancen und Möglichkeiten eröffnen. Wenn ich sie zurückführen kann auf die Liebe der Mitmenschen untereinander.

Aber gilt nicht doch: „Deine Gebote sind meines Lebens Navigationsgerät“? Etwas in mir sträubt sich, es so zu formulieren. Das lebendige Wort Gottes ist nicht die Wegweisung eines Automaten. Auf der Fahrstrecke meines Lebens und gerade auch dann, wenn es um mich dunkel wird, helfen oft nicht fertige Antworten, sondern das ehrliche Ringen um dieses lebendige Wort.

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Die Schlichtung

Die Söhne des Skeuas.

Die Schlichtung Stuttgart 21 ging zu Ende, ohne Kompromiss in Händen.
Den Vorschlag des Schlichters, die Politik und Bahn verriss. Nur Einer fühlte sich als Sieger und schaffte Tags darauf Tatsachen durch Auftragsvergaben.

 

Paulus in Ephesus, Holzstich von Gustav Doré

 Wie vor 2000 Jahren auf seinen Reisen in Mission macht Paulus, wie jener Schlichter zu Stuttgart heute, hier und da Station.

 Paulus predigte und tat zu weilen auch Kranke und Besessne heilen. Dies sprach sich überall herum und sprach fürs Evangelium. Doch zeigt sich hier wie man es von Stuttgart 21 kennt die scharfe Konkurrenz, die Scharlatane; Spezialisten zur Geisterbeschwörung; Exorzisten, die tummelten sich, reich an Kräften in überzeugenden Geschäften.

 Dies gab´s nun auch in jener Stadt die Paulus einst betreten hat. In Ephesus nicht weit vom Meer; dort hatte es Paulus schwer. Es waren dort, in Stadt und Land die Skeuas – Söhne bekannt. Sie waren 7 an der Zahl sie reüssierten überall mit Trance und Hypnose. Und an manchen Tagen sah man sie eilen mit Köfferchen und Stoff zum heilenNun, eines Tages ist’s geschehen, da sah die Sieben früh man stehen am Ort, vor dem es vielen grauste, weil dort ein wüster Dämon hauste! Dies war in einer alten Kate, die lauter schiefe Wände hatte. Vom Dach herunter tropfte es, und keine Hand verstopfte es. Die Skeuas – Söhne wollten hier ein Zeichen setzen. Vor der Tür besprachen sie sich kurz und leise und klärten ihre Heilungsweise.Und mit dabei war eine Meute der sensationsgierigen Leute. Man klopfte. Drinnen blieb es still. Darauf ein Schrei, ganz wild und schrill. Nun hat man wieder warten müssen. Dann ward‘ die Türe aufgerissen, und drinnen stand mit finstrem Blick ein Berserker, so groß und dick.„Ach schau!“ rief er, „es kommen Gäste. Ich biete euch das Allerbeste. Macht nur bei mir ein wenig Rast und tretet ein in den Palast, so dürft ihr eine Weile wohnen bei Höllengeistern und Dämonen!“ – Die Sieben waren unterdessen nicht eben aufgelegt zu Spaßen und überlegten hin und her, ob’s zu verduften ratsam war‘. Doch einer sprach: „Wenn wir jetzt fliehn, ist unser guter Ruf dahin!“Und so sind schließlich alle Sieben trotz Muffensausen da geblieben. Das Volk, das vor der Kate stand, erwartete nun allerhand. Erst brauchte es ein Stück Geduld. Dann hörte drinnen man Tumult: es rief, es schrie; in hohem Bogen kam etwas übers Dach geflogen. Dann stieß es heftig an die Wand – das Volk verfolgte es gebannt -, dann neigte auch in voller Breite die Hütte langsam sich zur Seite, und aus der Fensterluke schon schoss wie der Blitz ein Skeuas – Sohn. Die Tür sprang auf, heraus mit Heulen und voll mit Striemen und mit Beulen floh nun die ganze Skeuas – Schar, die fürchterlich verprügelt war.Und aufrecht stand vor seiner Kate der Mensch, der einen Dämon hatte, und rief den Sieben hinterher: „Mit euch zu ringen, war nicht schwer.

 Von Paulus weiß ich. Den zu zwingen wird mir nicht unbedingt gelingen. Doch ihr: lasst die Versuche bleiben, Dämonen künstlich auszutreiben!“ Fazit der Geschichte: Die Bahn heute zu bezwingen wird nicht unbedingt gelingen. Doch Politiker lasst die Versuche bleiben des Volkes Meinung zu ignorieren, satt dessen versucht  es zu befrieden, denkt an Ökonomie und Ökologie.

 

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Die Flaute.

Da sitze ich am Frühstückstisch, lese die siebte Ausgabe meiner Tageszeitung. Draußen dunkle Wolken Regen, da das Bild der Abendstimmung am Bodensee in der Zeitung, von Patrick Seeger.

Erlebnisse am See kommen in Erinnerung: Es ist Abend geworden, ein Tag am See geht zu Ende, es geht heimwärts über Straßen und die Boote am See in den sicheren Hafen.

Zwar könnte jedes Boot alleine den Hafen ansteuern, einwenig Wind scheint noch auf dem See zu liegen. Aber aneinander gehängt geht’s schneller – sicherer auch, vor allem für den Segellehrer, den ich auf dem ziehenden Motorboot vermuten darf. Sie kommen mit „Dieselwind“ denke spöttisch ich an Land, wie ich den Konvois beobachte.

„Tiefe Stille herrscht im Wasser,
ohne Regung ruht das Meer,
und bekümmert sieht der Schiffer
glatte Fläche ringsumher.
Keine Luft von keiner Seite!
Totenstille fürchterlich!
In der ungeheuren Weite
regt keine Welle sich.“

So dichtet Johann Wolfgang Goethe und Ludwig von Beethoven fand die Töne dazu. Für die Segelschüler ist die Lage nicht so dramatisch wie sie der Dichter sieht. Der Anfänger sieht noch den Lehrer, kann das Schiff mit Motor heranwinken, das in aus der Flaute holt.

Wie ich da am Ufer stehe und zusehe, mit spöttischen Gedanken, ahne wie hilfreich „Dieselwind“ sein kann, der aus der Flaute herausholt. Denn es ist fürchterlich ohne Wind in den Segeln, draußen auf dem See und an Land im Alltag auch. Wenn alles, wie gelähmt ist, kein Antrieb, nicht von innen und nicht von außen, wenn die pure Lethargie herrscht.

Wie schnell richtet sich die verbleibende Hoffnung auf ein Tau, das man hinüber werfen kann zum Nachbarn. Wie wohltuend ist es, wenn vor der Kette des Bootes eines ist, das behutsam anzieht und alle mitzieht. Die Segelschüler zeigen es, obwohl es ihnen nicht bewusst ist: So schön es ist, alleine draußen im Wind zu segeln, so nötig und unverzichtbar sind die andern, vor allem dann, wenn bei mir selbst oder um mich herum Flaute herrscht.

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Für Leib und Seele

Was für ein wunderschöner Garten! In voller Pracht finden sich die bunten Blüten gleich neben Möhren Kohlrabi und Spalierobst. Das schöne ist mit dem Nützlichen aufs Beste verbunden. Ein Anblick der mein Herz höher schlagen lässt.

Längst weiß man, dass die richtige Zusammenstellung der Gartenpflanzen ein guter Schutz vor Schädlingen ist und den Einsatz von Chemikalien oft unnötig macht. So wachsen Blumen und Gemüse dicht an dicht in einer sinnvollen Nachbarschaft. Die Blumen dienen, den Bienen als Nahrung und den Menschen, der damit bunte Sträuße binden kann, zur Freude. Das selbst angebaute Gemüse ist ein wohltuender und aromatischer Genuss. Kein Vergleich zur intensiv gedüngten Massenware aus dem Supermarkt, wie ich selbst jetzt erfahren durfte mit dem Gemüse aus meiner Schwiegertochter`s Garten.

Gartenarbeit ist zwar zeitintensiv und anstrengend, die Vorteile überwiegen bei weitem. Der Salatkopf ist nicht mit dem LKW über viel Autobahnkilometer transportiert worden. Die Kohlrabi kommen nicht aus Südeuropa. Vom Garten direkt in den Kochtopf schont die Ressourcen unserer Erde und ist oben drein eine Wohltat. Wer denkt da nicht an den unbeschreiblichen Geschmack noch sonnenwarmer Tomaten zum Abendessen oder an frischen Kräuter im Salat? Lebensmittel im ursprünglichen Sinn. Sorgsam steche ich die Erde um, meine Schwiegertochter befreit sie von Unkräutern. Neue Früchte sollen wachsen. Vielleicht will sie den Ertrag auf einen nahe gelegenen Markt verkaufen? Nein sie versorgt die Familie und mich, der den Wert von Selbstangebautem zu schätzen weiß und die Güter dankbar annimmt. Ob sie schon daran denkt wie sie das, was nicht gleich verwertet werden kann, sorgsam für den nächsten Winter konserviert? Mit Liebe gepflanzt. Mit Liebe gekocht. Mit Liebe gegessen.

Wenn man das Bild so betrachtet, stellt man fest, dass der Garten, von Wiesen, Weinbergen im Hintergrund und Obstbäumen gesäumt, ein kleines Paradies ist. Noch Sonne und Wolken, und der Sommertag scheinen einem Bilderbuch entsprungen.

Paul Gerhardt hat die Freude am Garten mit einem sehr bekannten Vers beschrieben: „Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmückt haben, sich ausgeschmückt haben.

Gärten? Sind ein Schatz den nicht jeder hat.

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Die Erde in Händen halten.

Die Erde in Händen halten. Das fühlt sich gut an. Wenn das ganz Große so klein und greifbar wird, dann werde ich kleiner Mensch groß. Da bin ich mit dem Finger auf dem Globus unterwegs, ich suche und finde, ich überlege und entdecke, ja ich träume. Ich sehe wo das Land liegt in dem ich lebe. Es ist auf der Welt so klein und bietet meiner Familie, ja allen, die mir am Herzen liegen, so viel Platz und Raum, um zu leben. Dazu gibt es noch unendlich viel mehr: Länder und Kontinente, Gebirge und Meere, Milliarden von Menschen und Tieren.

Unsere Erde ist ein Geschenk des Schöpfers und sie ist wunderschön. Ein Abbild davon in den Händen halten zu können und zärtlich und dankbar Menschen zu zeigen und mit anderen teilen zu können, macht stolz und glücklich. Und es macht Lust auf neue Entdeckungen:

Alles beginnt mit der Sehnsucht. Alle Visionen und Eroberungen haben mit dem Funken einer Idee, die wie ein Samenkorn in Menschen aufgegangen ist, angefangen. Dann wird der Koffer gepackt und es geht los. Unser leuchtender blauer Planet ist so faszinierend, dass nicht nur ich neugierig und beeindruckt bin. Im vergangenen Jahrhundert haben wir den Sprung ins All geschafft. Astronauten konnten aus der Ferne einen Blick auf unsere Erde genießen. Es war für sie, als könnten sie aus dem Fenster ihres Raumschiffes, ihren Heimatplaneten mit den Händen greifen und in die Arme nehmen. Diese Männer und Frauen haben von Gefühlen überschwänglichen Glücks und tiefer Ehrfurcht berichtet und fassten dabei nicht selten auch den Vorsatz in Zukunft achtsamer mit diesem wertvollen Geschenk umzugehen.

Die Erde in Händen halten. Sie voller Liebe und Staunen ansehen, das erscheint so unfassbar viel, dass Worte nicht mehr reichen. Die Erde in Händen halten, das verweist auf den Schöpfer, von dem ich glaube, dass er unsere Erde erschaffen hat und jeden Tag in seinen Händen hält.

Mit allem was mich hält und trägt in des Schöpfers Hand sein, das schafft eine lebenswerte Geborgenheit, die mir viel Mut machen kann, mich auf den Weg zu machen: Mit dem Finger auf dem Globus, den Füßen auf der Straße, den Augen zum Himmel geht es los. Die Erde ist schön. Der Schöpfer hält sie in seiner Hand, da muss er doch sehr große Hände haben, oder?

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Bruegels Vision

Da lese ich in einer namhaften Zeitschrift einen Bericht über die Hilfe für Haiti. Darauf folgt ein Bericht von der Rückehr des Diktators Duvalier aus dem Exil in seine Heimat Haiti. Das macht nachdenklich! Will der, der sich in seinem Heimatland schwerer Vergehen schuldig gemacht hat, eventuell auch einen Anteil von der Hilfeleistung (sprich Geld) für sich abzweigen. Wie ich so lese, kommt mir ein Kupferstich von Philip Galle und Ausführungen von M Ernst Wahl dazu in den Sinn.

 

Wenn es nur so wäre: Die Erde ist voll Güte des Schöpfers. Die gängige Alltagserfahrung der Menschen, die auch meine ist, ist eine andere. Die Erde ist voller Raubbau, voller Eigennutz, voller Zerstörung, jedenfalls voll vom Gegenteil der Güte – dem Schlechten. Wahrscheinlich ist diese Sichtweise keine typisch Moderne, keine heutige, sondern eine, die es zu allen Zeiten gab und gibt. Nur manchmal erlebt man die Güte, wenn man ihr vorsichtig die Hand hinhält, sie aufnimmt.

Gar nicht vorsichtig, gar nicht zart, sondern schockierend realistisch und brutal hat Pieter Bruegel (1525 – 1569), der Maler aus dem Gebiet des heutigen Belgiens, vor rund 450 Jahren diese uralte Erfahrung ins Bild gebracht. Ein paar Jahre später hat Philip Galle Bruegels Bild in einen Kupferstich umgesetzt, der jeder Milde entbehrt, ohne jede farbliche Abmilderung auskommt.

Wer das Matthäus-Evangelium kennt, erkennt auch die Szene: Die sieben Werke der Barmherzigkeit sind in dem Stich dargestellt. Im Zentrum die Mutter der Barmherzigkeit, in der Hand ein brennendes Herz, auf dem Kopf den Pelikan, der sich der Legende nach selbst verletzt, um seine Jungen zu schützen und zu nähren. Die Werke nach Matthäus: Hungrige Speisen, Durstige tränken, Fremde beherbergen und Gefangene besuchen, was nicht in dem Text bei Matthäus zu lesen ist: Tote bestatten.

Es ist einer der Grundlagentexte kirchlicher Sozialarbeit. Mithin hat Bruegel die Grundlage der Diakonie anschaulich gemacht. Was auffällt: Woher das Brot, woher der Wein, wo­her die neuen Kleider kommen, das lässt das Bild offen. Die „Werke“ der Barmherzigkeit sind keine Produk­tionsstätten, wie es Motorenwerke sind. Die „Werke“ der Barmherzigkeit sind Taten der Güte, die aus der Zu­wendung des Schöpfers zu Menschen fließen, Folgen der Güte des Schöpfers sind jene die Güte erlebbar machen. Da­mals und heute, immer und überall, wo sie praktiziert wird, spricht man von der Güte des Schöpfers.

Und weil die Werke der Barmher­zigkeit oft und an vielen Orten offen aber auch still und heimlich ausgeübt werden, darum konnte Bruegel und können wir davon reden, dass die Erde voll der Güte des Schöpfers ist, trotz solcher Nachrichten, die ich da gelesen habe.

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